Ratgeber · Mentaltraining · 9 Min. Lesezeit

Mentaltraining im Darts: Routine, Druck und Dartitis

Mentaltraining im Darts betrifft alles, was zwischen zwei Darts passiert: eine feste Wurfroutine, ein ruhiger Atemzug, ein kleiner Zielpunkt und ein Plan für Druck. Trainier das wie deine Technik, dann fühlt sich das Match-Double an wie ein Double im Training.

Kurz gesagt

  • Eine Routine vor jedem Dart, immer im selben Tempo.
  • Ausatmen, klein zielen: ein Punkt mitten im Feld.
  • Mit Einsatz trainieren, damit sich Match-Darts vertraut anfühlen.
  • Dartitis: neuer Auslöser, anderes Tempo oder Griff, und Hilfe holen.

Routine

Wie baust du dir eine Wurfroutine fürs Darts auf?

Eine Wurfroutine ist ein kurzer, fester Ablauf vor jedem Dart, damit dein Körper den Wurf immer gleich beginnt, egal wie es steht. Pass die sechs Schritte an, bis sie sich nach deinen eigenen anfühlen, und ändere sie dann nicht mehr.

123456FüßeZielAtmenGriffWurfAbschlussnächster DartGleiche Schritte,gleiches Tempo
Sechs Schritte, ein Kreislauf. Stört dich etwas, tritt vom Oche zurück und fang wieder bei den Füßen an.
  1. Füße setzenDen vorderen Fuß bei jeder Aufnahme auf dieselbe Stelle am Oche.
  2. Ziel festlegenSuch dir einen Punkt im Feld. Beim Finish kennst du vorher den ganzen Weg.
  3. AusatmenEinmal langsam ausatmen, Schultern runter.
  4. Griff findenImmer derselbe Griff, ohne zu drücken. Im Ratgeber zum Dart-Griff steht, wie fest fest genug ist.
  5. In deinem Tempo werfenAnheben, ausholen, loslassen, bei jedem Dart im gleichen Takt.
  6. Den Wurf zu Ende bringenArm gestreckt lassen, bis der Dart steckt. Ein sauberer Durchschwung verhindert, dass du den Dart verziehst, wenn du nervös bist.

Immer gleich lang. Unter Druck werden die meisten Spieler schneller oder zielen viel länger. Stopp im Training ein paar Routinen und halte diesen Rhythmus im Match.

Fokus

Wie bleibst du am Oche konzentriert?

Fokussier dich eng, solange du wirfst, und lass dazwischen locker. Ein ganzes Match lang voll konzentriert zu sein, schafft niemand, also schalte für die Aufnahme ein und auf dem Rückweg wieder ab.

Klein zielen, knapp verfehlen

Die Triple 20 ist etwa 3 cm breit und nur 8 mm tief. Schau auf einen Punkt darin, nicht auf die Zahl.

2015
Auf die Zahl zielen: Deine Augen wandern das ganze Feld entlang.
2015
Auf einen Punkt zielen: Deine Augen bleiben ruhig, und ein knapper Fehlwurf landet trotzdem im Feld.

Beim Hintreten ausatmen

Viele Trainer empfehlen beim Hintreten etwa vier Zählzeiten ein und sechs aus. Manche halten beim Abwurf kurz die Luft an, andere werfen beim sanften Ausatmen: Probier beides und behalte, was ruhiger ist.

AbwurfAns Oche4 ein6 ausRuhe
Beim Hintreten ausatmen, dann im ruhigen Moment danach loslassen.
  • Blick am PunktSchau hin, bis der Dart steckt, nicht dem Flight hinterher. Wer früh wegschaut, lässt oft auch den Arm fallen.
  • Ein Stichwort„Locker“ oder „durch“ beschäftigt den Kopf mit etwas Nützlichem. Verbote wie „nicht zu tief“ haben im Wurf nichts verloren.
  • Zwischen den Aufnahmen abschaltenWegschauen, Hand lockern, einen Schluck trinken. Die letzte Aufnahme im Kopf abzuspielen, kostet Kraft.

Druck

Was hilft gegen Nervosität beim Darts und Druck auf Doubles?

Nervosität verändert vor allem dein Tempo und deinen Griff, also hältst du beides genau wie im Training. Leg den Weg früh fest, steh zu jedem Dart und lass die Routine den Rest machen.

Besser so

  • Auf dem Match-Double dein Trainingstempo halten
  • Den Weg zwischen den Aufnahmen ausrechnen
  • Nach einem verpassten Double einmal tief durchatmen, dann derselbe Plan
  • Wissen, welche Finishes du angreifst und welche du dir nur stellst

Lieber nicht

  • Auf den ersten Match-Dart viel länger zielen als sonst
  • Den Checkout ausrechnen, während du schon zielst
  • Einen Fehlwurf schnell wiedergutmachen wollen
  • Ein Finish angreifen, das nicht drin ist, und nichts stehen lassen
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32 Rest: Rutscht der Dart von der Double 16 in die einfache 16, bleibt Double 8.

Den Rest mitplanen

Ein Dart in der einfachen 16 lässt Double 8 übrig, ein Fehlwurf dort Double 4. Wer sich sein Lieblings-Double bewusst stellt, muss im Druckmoment eine Entscheidung weniger treffen.

Mit der Checkout-Tabelle lernst du die Wege auswendig, damit du am Oche nie rechnen musst.

Auch die besten Spieler verfehlen mehr Darts auf Doubles, als sie treffen. Ein Fehlwurf gehört zum Spiel und heißt nicht, dass etwas nicht stimmt.

Abhaken

Wie bleibst du nach einem Bust oder einer schlechten Aufnahme ruhig?

Eine schlechte Aufnahme kostet dich genau eine Aufnahme, solange du sie nicht in die nächste mitnimmst. Nutz den Weg zum Board als Reset und heb dir die Analyse für nach dem Match auf.

  1. Darts ziehen, abhakenDer Weg zum Board und zurück ist dein Reset. Manche Spieler ergänzen ein kleines Signal, etwa die Wurfhand kurz auszuschütteln.
  2. Neuen Rest checkenNach einem Bust stehst du wieder auf dem Rest vom Anfang der Aufnahme. Wisse, was du brauchst, bevor du ans Oche trittst.
  3. Die Technik in Ruhe lassenEine verstreute Aufnahme ist normale Streuung. Wer mitten im Match Griff oder Stand umstellt, macht die nächste meist schlechter.
  4. Das große Ganze sehenEine 26 ist eine Aufnahme in einem Leg 501. Dein Dart-Average enthält davon schon reichlich.

Taktik

Solltest du gegen den Gegner spielen oder gegen das Board?

Die meisten Trainer sagen: gegen das Board, also deine Routine und deine Ziele, egal was der andere macht. Sein Rest zählt für ein paar taktische Entscheidungen, also nimm ihn kurz wahr und leg ihn dann beiseite.

Gegen das Board spielen

Fast immer

  • Du hast nur deine eigenen Darts in der Hand
  • Die Routine hängt nie vom Spielstand ab
  • Du kannst einen taktischen Moment verpassen

Auf seinen Rest achten

  • Zeigt dir, wann sich ein riskanter Checkout lohnt, etwa wenn er auf einem Zwei-Dart-Finish steht
  • Seine hohen Aufnahmen bringen dein Tempo durcheinander

Ihm beim Werfen zusehen

  • Manche mögen den Rhythmus eines schnellen Matches
  • Seine Fehlwürfe machen dir Hoffnung, seine 180er machen dich nervös

Eine nützliche Gewohnheit. Schau beim Hintreten einmal auf beide Stände, entscheide dich und sieh danach nur noch dein Ziel. Während der andere wirft, planst du deinen nächsten Weg oder schaust weg.

Training

Wie übst du Mentaltraining im Darts mit echtem Druck?

Gib jeder Übung einen Einsatz, eine Uhr oder einen Rekord, den ein einziger Dart ruinieren kann. Nimm jede Woche eine davon in deinen Dart-Trainingsplan auf.

  • Checkout-KönigEin verpasstes Finish setzt deine Serie auf null. Mit Sudden Death ist der Durchgang dann vorbei.
  • Stunden-ChallengesEine Uhr, die sich nicht anhalten lässt, und ein Versuch pro Aufgabe. Aufgeben zählt als nicht geschafft.
  • Bob’s 27Fällst du auf null, ist das Spiel vorbei. Eine leere Runde auf einem kleinen Double tut also weh.
  • X01 gegen einen BotStell ihn auf deinen eigenen Average, dann kannst du jedes Leg verlieren.
  • Pflicht-CheckoutDas Training ist erst vorbei, wenn du dein gewähltes Double in einer Aufnahme triffst.
  • Ein echter GegnerEin Ligaabend, ein Freund oder ein Online-Match auf deinem Niveau bringt Nervosität, die keine Übung nachstellt.

In Sridu ist der Einsatz schon eingebaut. Beim Checkout-König färbt sich die Anzeige vor dem Dart, an dem deine Serie hängt, orange, bei Sudden Death rot. Bots spielen jeden 3-Dart-Average von 15 bis 110, ein knappes Match findest du also immer.

Dartitis

Was ist Dartitis, und was kannst du dagegen tun?

Dartitis, die Darts-Variante der Yips, heißt: Du kannst den Dart plötzlich nicht mehr flüssig loslassen, obwohl dein Wurf jahrelang funktioniert hat. Die Ursache ist nicht ganz geklärt: Betroffene beschreiben Angst beim Wurf, und manche Fälle ähneln einer fokalen Dystonie, der Bewegungsstörung hinter dem Schreibkrampf.

Das bekannteste Beispiel ist der fünfmalige Weltmeister Eric Bristow, dessen Wurf ab 1986 von Dartitis gezeichnet war.

Typische Anzeichen

  • Der Arm blockiertEr bleibt im Moment des Abwurfs stehen und geht nicht weiter.
  • Endloses AusholenDu holst immer wieder aus, ohne loszulassen.
  • Ruckartiger oder zu früher AbwurfDer Dart springt aus der Hand oder rutscht zu früh heraus.
  • Schlimmer unter DruckOft zeigt es sich zuerst im Match oder auf den Doubles.
Ein StockenDu merkst esDu sorgst dichMehr Stocken
Der Yips-Kreislauf. Die meisten Lösungen durchbrechen ihn, indem sie ändern, wie der Abwurf ausgelöst wird.

Was Spieler ausprobieren

  1. Das Ziel wegnehmenOhne Wertung werfen, auf eine leere Stelle des Boards oder erst aus kürzerer Entfernung und dann zurück.
  2. Den Auslöser ändernAuf eine Zählzeit loslassen, beim Ausatmen oder nach einer festen Zahl von Ausholbewegungen, nicht wenn es sich „richtig anfühlt“.
  3. Das Tempo ändernEin schnellerer Wurf lässt der Blockade weniger Zeit. Anderen hilft ein langsames, gleichmäßiges Ausholen.
  4. Das Gefühl ändernEin neuer Griff oder Darts mit anderem Gewicht oder anderer Barrel-Form können die Verbindung zum alten Stocken lösen.
  5. Mit jemandem redenEin Darttrainer oder Sportpsychologe kennt die Yips und hilft dir, eine neue Routine rund um den Abwurf aufzubauen.

Geh zum Arzt, wenn es monatelang anhält, andere Bewegungen betrifft oder Krämpfe, Verdrehen oder Schmerzen in Hand oder Arm dazukommen. Dort lässt sich eine körperliche Ursache wie eine fokale Dystonie abklären und eine Überweisung zum Facharzt ausstellen.

Quellen: Deutsche Dystonie Gesellschaft: Fokale Formen, British Psychological Society: Forschungsstand zu den Yips (englisch)

FAQ

Fragen zur mentalen Seite im Darts

Wie wichtig ist Mentaltraining im Darts?

Mentale Stärke im Darts wird sehr wichtig, sobald deine Technik einigermaßen konstant ist. Viele Spieler werfen im Training deutlich besser als im Match, und dieser Unterschied hat vor allem mit Routine und dem Umgang mit Druck zu tun.

Wie verpasse ich unter Druck weniger Doubles?

Halte Routine und Tempo wie im Training, kenn deinen Weg, bevor du ans Oche trittst, und steh zu jedem Dart. Trainiere Doubles außerdem mit Einsatz, zum Beispiel beim Checkout-König mit Sudden Death oder bei Bob’s 27, damit sich Match-Doubles vertraut anfühlen.

Wie lange sollte eine Wurfroutine dauern?

Ein paar Sekunden. Die genaue Länge ist weniger wichtig, als dass sie bei jedem Dart gleich bleibt. Zielst du auf Doubles viel länger als auf die Triple 20, arbeite zuerst daran.

Ist Dartitis heilbar?

Viele Spieler finden ihren Abwurf wieder, nachdem sie Auslöser, Tempo, Griff oder Darts geändert haben, oft mit Hilfe eines Trainers oder Sportpsychologen. Andere lernen, damit umzugehen, und spielen weiter, eine sichere Lösung gibt es nicht. Einen Stufenplan und eine Checkliste, wann du Hilfe holen solltest, findest du im Ratgeber Dartitis: was tun? Kommen Krämpfe oder Schmerzen dazu, geh zum Arzt und lies den Ratgeber zu Schmerzen beim Darts.

Woran erkenne ich Dartitis?

Meist an einem kleinen Zögern im Moment des Abwurfs, einer Ausholbewegung zu viel, die du gar nicht wolltest, oder an einem Dart, der dir zu früh aus der Hand rutscht. Zuerst zeigt es sich meist unter Druck, etwa auf Match-Doubles, und erst später auch im Training.

Was hilft gegen Nervosität vor einem Dartmatch?

Aufregung vor einem Match ist normal und zeigt meist nur, dass dir das Ergebnis wichtig ist. Wärm dich mit derselben kurzen Routine auf wie zu Hause, zum Beispiel ein paar Aufnahmen auf die Triple 20 und eine Runde auf deine Lieblings-Doubles. Danach denkst du nur an deine erste Aufnahme und lässt die Anzeige Anzeige sein.

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