Ratgeber · Dartitis · 15 Min. Lesezeit
Dartitis: was ist das, Symptome und was du tun kannst
Dartitis heißt: Du kannst den Dart nicht mehr flüssig loslassen. Der Arm bleibt im Abwurf stehen, holt immer wieder aus, oder der Dart ruckt aus der Hand. Ganz verstanden ist das noch nicht, aber viele Spieler finden mit einer neuen Routine, Training ohne Druck und der richtigen Hilfe zu einem freieren Wurf zurück.
Kurz gesagt
- Was es ist: Der Abwurf stockt, ruckt oder kommt zu früh, oft nach Jahren mit sauberem Wurf.
- Warum: irgendwo zwischen Versagensangst und einer Bewegungsstörung, die nur diese eine Bewegung trifft, oft beides.
- Was Spieler probieren: neuer Auslöser, fester Rhythmus, Würfe mit geschlossenen Augen, Training ohne Druck.
- Hol dir Hilfe, wenn es Monate anhält, auf andere Bewegungen übergreift oder mit Krämpfen oder Schmerzen kommt.
Grundlagen
Was ist Dartitis?
Dartitis ist ein Problem beim Loslassen des Darts. Der Wurf beginnt ganz normal, dann bleibt der Arm stehen, holt noch einmal aus oder lässt mit einem Ruck los, und mit Willenskraft allein kommst du nicht dagegen an.
Sie gehört zur selben Familie wie die Yips beim Putten im Golf oder beim Bowling im Cricket: Eine Bewegung, die du tausendfach gemacht hast, läuft plötzlich nicht mehr von selbst. Beschrieben wird sie vor allem bei erfahrenen Spielern.
Wie ein freier Abwurf aussieht, zeigt der Ratgeber zur Wurftechnik. Routine und Nerven allgemein behandelt Mentaltraining im Darts; hier geht es tiefer um die Dartitis selbst.
Allgemeine Information, keine medizinische Beratung. Diese Seite fasst zusammen, was Spieler beschreiben und was die Forschung bisher weiß. Wenn deine Hand verkrampft oder sich verdreht oder das Problem nicht weggeht, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Symptome
Welche Symptome hat Dartitis?
Das typische Zeichen: Der Abwurf passiert nicht mehr von allein. Du weißt genau, wann der Dart die Hand verlassen sollte, und er tut es nicht. Spieler beschreiben das unterschiedlich, und viele haben mehrere dieser Anzeichen.
- Der Arm friert einEr bleibt kurz vor dem Abwurf stehen und geht nicht weiter.
- Mehrfach ausholenDu holst zwei, drei oder mehr Mal aus, bevor du loslassen kannst.
- Ruckartiger AbwurfDer Dart springt mit einem Zucken aus der Hand, oft zu tief oder daneben.
- Zu früh oder zu spätDer Dart rutscht schon beim Ausholen raus, oder du drückst ihn hinterher, wenn der Moment vorbei ist.
- Finger, die klemmenDie Finger halten den Barrel zu fest und gehen nicht rechtzeitig auf.
- Schlimmer, wenn es zähltOft zeigt es sich zuerst auf Doppel, im Match oder wenn jemand zuschaut.
Wie es sich oft entwickelt
- Ab und zuEin kleines Stocken auf ein Match-Doppel.
- Unter DruckMehrfaches Ausholen im Match und vor Zuschauern.
- Auch im TrainingEs schleicht sich ins Training ein, selbst wenn du allein bist.
- Fast jeder DartIn schlechten Phasen trifft es beinahe jeden Wurf.
So erzählen es viele Spieler, ein fester Verlauf ist das nicht. Nicht jeder durchläuft alle Stufen, und bei vielen wechseln bessere und schlechtere Phasen.
Ursachen
Was sind die Ursachen von Dartitis?
Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Die Forschung zu den Yips im Golf beschreibt ein Spektrum: an einem Ende Versagensangst (Choking), am anderen eine aufgabenspezifische Dystonie, also eine Bewegungsstörung, bei der sich Muskeln bei einer stark geübten Bewegung von selbst anspannen.
Die meisten Spieler liegen irgendwo dazwischen, und beide Seiten verstärken sich gegenseitig. Eine Übersichtsarbeit von 2024 zu Dystonie im Sport nennt Darts unter den Sportarten, in denen sie beschrieben wurde.
Eher Angst
- Vor allem im Match, auf Doppel oder vor Zuschauern
- Deutlich besser, wenn du allein und entspannt wirfst
- Kreisende Gedanken, schneller Puls, Angst vor dem Fehlwurf
Eher Dystonie
- Es passiert auch im lockeren Training
- Finger oder Handgelenk verkrampfen, krümmen sich oder zucken von selbst
- Nur diese eine Bewegung ist betroffen, zumindest anfangs
Beides auseinanderzuhalten ist selbst für Fachleute schwer, die Anzeichen überschneiden sich. Ein Neurologe, der mit Dartspielern arbeitet, sagte Dartsnews, er sehe Dartitis als neurologisches Problem, bei dem die Psyche mitspielt. Das ist eine Expertenmeinung, die Forschung ist sich nicht einig.
Spieler, die darüber gesprochen haben
- Eric BristowDer fünfmalige Weltmeister bekam Ende 1986 Dartitis, und sie prägte den Rest seiner Karriere (The Week).
- Gian van VeenErzählte Sky Sports im Januar 2026, dass er etwa vier Jahre zuvor Dartitis hatte, noch vor seiner Tour Card. In dieser Saison stand er im WM-Finale.
- Jules van DongenGing im März 2026 nach langer Suche nach Hilfe an die Öffentlichkeit, arbeitet jetzt mit einem Neurologen und hat mit der anderen Hand neu angefangen (Dartsnews).
Forschung
Was weiß man über Dartitis, und was nicht?
Bewiesen ist sehr wenig. Die Forschung zu den Yips ist dünn, das meiste betrifft Golf, und vieles sind Fallstudien mit einer Handvoll Leuten.
- 25Studien zu den Yips im Sport fand eine systematische Übersicht von 2015, 18 davon zum Golf
- 74Personen in 31 Behandlungsstudien zu Dystonie im Sport, laut einer Übersicht von 2024
- 0randomisierte kontrollierte Studien in dieser Übersicht, keine Behandlung ist also belegt
Ziemlich klar
- Es ist echt und kein Mangel an Willenskraft
- Es trifft eine stark geübte Bewegung, oft nur diese
- Druck macht es bei den meisten schlimmer
- Dasselbe Problem gibt es im Golf, Cricket, Baseball und in der Musik
Noch offen
- Wie viele Dartspieler betroffen sind: Verlässliche Zahlen gibt es nicht
- Warum es den einen trifft und den anderen nicht
- Welche Behandlung am besten wirkt
- Ob und wann es von selbst weggeht
Quellen: Smith u. a. (2003), The yips in golf: a continuum between a focal dystonia and choking, Clarke, Sheffield und Akehurst (2015), The yips in sport: a systematic review, Nijenhuis u. a. (2024), Treatment of task-specific dystonia in sports, British Psychological Society, Research Digest zu den Yips (alle auf Englisch).
Was hilft
Dartitis: Was tun, was hilft?
Die eine Lösung für alle gibt es nicht. Die Ansätze, von denen Spieler am häufigsten berichten, haben eine gemeinsame Idee: Sie ändern, wodurch der Abwurf ausgelöst wird, damit das alte Stocken keinen Halt mehr findet.
Probier immer nur eine Änderung und gib ihr ein paar Wochen, bevor du urteilst.
- Ein neuer AuslöserLass auf eine Zahl, ein Wort oder am Ende des Ausatmens los, nicht wenn es sich „richtig anfühlt“.
- Ein fester RhythmusDasselbe Tempo bei jedem Dart, zum Beispiel genau einmal ausholen. Manchen hilft ein etwas schnellerer Wurf.
- Augen zuAus kurzer Entfernung auf die Mitte der Scheibe, damit du den Abwurf spürst, ohne das Ergebnis zu bewerten. Nur, wenn niemand in der Nähe der Scheibe ist.
- Ohne ZielWirf auf die leere Scheibe oder ein großes Feld. Kein Zielen, keine Punkte, nur die Bewegung.
- Griff oder SetupEin anderer Griff, Barrel oder ein anderes Gewicht kann die Bewegung neu wirken lassen. Immer nur eine Sache ändern.
- Die andere HandEinige Spieler fangen mit der anderen Hand neu an. Ein großer Schritt und ein langer Weg zurück zum alten Niveau.
- Eine PauseEin paar Wochen ohne Matches nehmen den Druck raus. Manche kommen freier zurück, bei anderen ändert sich nichts.
- Hilfe von anderenEin Trainer sieht deinen Wurf von außen, eine Sportpsychologin hilft bei Angst und Routine, ein Arzt prüft, ob eine Dystonie dahintersteckt.
Kämpf nicht Dart für Dart dagegen an. Wer sich eine Stunde lang durch das Stocken zwingt, baut meist nur mehr Spannung auf. Hör auf, mach etwas anderes und versuch es an einem anderen Tag.
Film dich von der Seite, in normaler Geschwindigkeit und in Zeitlupe. Wo der Arm stehen bleibt, siehst du oft deutlicher, als du es spürst.
Schritt für Schritt
Wie wirst du Dartitis los, Schritt für Schritt?
Fang dort an, wo der Abwurf noch klappt, und nimm dann Entfernung, Ziele und Druck nacheinander wieder dazu. Geh erst weiter, wenn sich die aktuelle Stufe frei anfühlt, auch wenn das Wochen dauert.
- Beobachten und notierenFilm deinen Wurf und schreib auf, wann es passiert: allein, im Match, auf Doppel, spät in einer langen Session.
- Druck rausnehmenSetz Ligaspiele eine Weile aus, wenn es geht, und sag deinem Team warum. Verstecken kostet Kraft.
- Nah anfangenWirf aus etwa einem Meter mit neuem Auslöser und festem Rhythmus auf die Mitte der Scheibe.
- Stufenweise zurück1,5 m, 2 m, dann das Oche. Geh eine Stufe zurück, wenn das Stocken wiederkommt.
- Erst Ziele, dann PunkteZuerst große Felder, dann ein Spiel wie Around the Clock, dann eine Punktzahl, die dir wichtig ist.
- Etwas Druck dazuEine kleine Wette mit einem Freund, ein leichter Bot, ein kurzes Ligaspiel. Rückschläge gehören dazu.
Training
Wie trainierst du mit Dartitis ohne Druck?
Übe den Abwurf dort, wo nichts auf dem Spiel steht: allein, ohne Punktestand im Nacken und mit einem Rhythmus, den du zählen kannst. Halte die Einheiten kurz und hör auf, solange sich der Wurf noch gut anfühlt.
Die Zähl-Übung
- EinsZielen, Blick auf einen kleinen Punkt.
- ZweiAusholen, einmal.
- LosLoslassen auf das Wort, egal was passiert.
Sag es anfangs laut. Wenn es von selbst läuft, zähl im Kopf, und zwar auf Doppel im selben Tempo wie auf die Triple 20.
Training ohne Druck in Sridu

Wenn du mit Sridu trainierst, halten ein paar Entscheidungen die Sache ruhig. Around the Clock und High Score kennen kein Überwerfen und kein Doppel zum Schluss, jeder Dart ist einfach der nächste, und die App zählt mit, während du auf deinen Abwurf achtest.
- Schalte Ansager und Sounds in den Einstellungen aus, wenn sie dich anspannen.
- Nimm später einen Bot-Gegner mit niedrigem Average dazu, den du selbst einstellst, damit sich ein Match freundlich anfühlt.
- Lass die Statistik in einer schlechten Phase links liegen. Die Zahlen laufen dir nicht weg.
Mehr ruhige Spiele findest du unter Dart-Spiele für alleine, alle Trainingsmodi auf der Seite Dart-Training-App. Keine App behandelt Dartitis; sie kann dir nur das Zählen abnehmen.
Hilfe holen
Wann solltest du zum Arzt oder zur Sportpsychologin?
Geh zum Arzt, wenn das Problem trotz Änderungen Monate anhält oder deine Hand verkrampft, sich verdreht oder zittert. Sprich mit einer Sportpsychologin oder einem Sportpsychologen, wenn die Angst vor dem Wurf dein Darts oder deine Stimmung bestimmt.
Lass es abklären, wenn
- es nach ein paar Monaten geduldiger Änderungen nicht besser wird
- es auch passiert, wenn du allein und entspannt wirfst
- Finger oder Handgelenk verkrampfen, sich verdrehen, krümmen oder zittern
- es auf Schreiben, Tippen, die Maus oder andere Alltagsbewegungen übergreift
- Schmerzen, Taubheit oder Kribbeln dazukommen (siehe Schmerzen beim Darts)
- du dich vor dem Spielen fürchtest, Matches meidest oder am Board in Panik gerätst
Wer hilft wobei
- Hausarzt und NeurologieDeine Hausärztin kann dich an eine Neurologin oder einen Neurologen mit Erfahrung bei Bewegungsstörungen überweisen. Behandlungen, die bei Dystonie eingesetzt werden, etwa Botulinumtoxin-Spritzen, wurden auch im Sport versucht, mit gemischten Ergebnissen in kleinen Studien.
- SportpsychologieArbeitet an Angst, Druck und Routine. Qualifizierte Fachleute findest du zum Beispiel über die Expertendatenbank Sportpsychologie des Bundesinstituts für Sportwissenschaft.
- TrainerSchaut sich deinen Wurf von außen an und hilft dir, Auslöser, Rhythmus und Griff Schritt für Schritt neu aufzubauen.
Nimm ein Video mit. Im Sprechzimmer zeigt sich Dartitis selten, also bring einen kurzen Clip deines Wurfs mit, von der Seite gefilmt.
FAQ
Fragen zu Dartitis
Was ist Dartitis beim Darts?
Dartitis ist ein Problem beim Loslassen des Darts: Der Arm bleibt im Abwurf stehen, holt mehrmals aus oder lässt mit einem Ruck los. Sie ist die Darts-Variante der Yips und trifft vor allem erfahrene Spieler.
Ist Dartitis heilbar?
Eine sichere Heilung gibt es nicht, aber viele Spieler finden ihren Abwurf wieder oder lernen, gut damit zu spielen. Gian van Veen hatte Dartitis vor seiner Tour Card und stand später in einem WM-Finale. Andere brauchen professionelle Hilfe, und manche erreichen ihr altes Niveau nicht ganz.
Wie lange dauert Dartitis?
Das reicht von Wochen bis zu Jahren, verlässliche Zahlen gibt es nicht. Geduldige Änderungen an Auslöser und Rhythmus, weniger Druck und frühe Hilfe nennen Spieler am häufigsten, aber vorhersagen kann den Verlauf niemand.
Ist Dartitis reine Kopfsache?
Nicht nur. Angst spielt bei vielen eine große Rolle, manche Fälle sehen aber wie eine aufgabenspezifische Dystonie aus, bei der sich die Muskeln von selbst anspannen. Meist ist es eine Mischung, deshalb können Arzt und Sportpsychologin beide sinnvoll sein.
Hilft Hypnose gegen Dartitis?
Gute Belege gibt es weder dafür noch dagegen. Eine kontrollierte Studie zu Hypnose bei Dartitis haben wir nicht gefunden, und Berichte aus dem Golf stammen meist von Hypnotherapeuten selbst. Wenn du es probierst, such dir eine qualifizierte Fachperson und arbeite parallel an deiner Routine.
Soll ich auf die andere Hand wechseln?
Einige Spieler haben das gemacht, und die Bewegung fühlt sich wieder frei an, weil sie keine Vorgeschichte hat. Du fängst damit aber fast bei null an, probier also zuerst Änderungen an Auslöser, Rhythmus und Griff.
Können Anfänger Dartitis bekommen?
Beschrieben wird sie vor allem bei Spielern mit jahrelanger Erfahrung. Wenn ein Anfänger steif oder ruckartig loslässt, ist das meist eine Technikfrage; dann ist der Ratgeber zur Wurftechnik der bessere Startpunkt.
Gibt es das auch in anderen Sportarten?
Ja. Golfer nennen es Yips, vor allem beim Putten, und bekannt ist es auch beim Bowling im Cricket, beim Werfen im Baseball und bei Musikern, dort heißt es Musikerdystonie.
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